850 JAHRE
Stift Obernkirchen, Kirchenfenster
900 Jahre Geschichte

1167 Um einer bereits vorhandenen frommen Gemeinschaft von Frauen eine Ordnung zu geben, gründete Bischof Werner aus Minden ein Augustiner-Chorfrauenstift und unterstellte es der Leitung eines Propstes. Obwohl es offiziell ein klösterlich reguliertes Stift war, behielten die Schwestern ihre Rechte als Stiftsdamen. Eine ihrer Aufgaben war, Mädchen der höheren Stände zu unterrichten. Zugleich wurde mit dem Bau der ersten - romanischen - Stiftskirche begonnen.

1180 schenkte Graf Hermann von Arnheim dem Stift den Platz der ehemaligen Bückeburg.

1181 Kaiser Friedrich I. Barbarossa verlieh Obernkirchen das Marktrecht; über den Marktflecken herrschte der Propst. Die Einwohner wurden Leibeigene des Stiftes – und blieben es bis 1565!

Im 13. Jahrhundert entwickelte sich eine blühende Wallfahrt zu einer wundertätigen Marienstatue in der Stiftskirche, nach der die Kirche auch den Namen „St. Marien“ erhielt.

1329 machte ein verheerender Brand einen Kirchenneubau nötig, der 1355 im Wesentlichen abgeschlossen war. Dieser Neubau ist in der heutigen gotischen Hallenkirche erhalten.

1492 setzte Bischof Heinrich v. Minden mit seiner Visitation („Besichtigung“ zum Zwecke der Disziplinierung) eine klösterliche Ordnung durch. Die Freiheit des persönlichen Eigentums wurde aufgehoben, und es wurden strikte Regeln eingeführt, wozu auch die Klausur, die Abgeschlossenheit der Stiftsdamen hinter Klostermauern, gehörte.

1560 wurde dem Kloster die Reformation aufgezwungen; die Grafen von Schaumburg brauchten aber sechs Jahre, bis sich die Nonnen fügten und den lutherischen Gottesdienst von ihrer Prieche herab nicht mehr störten („Hei lücht“ – er lügt – fuhren sie dem Pastor in die Predigten). Das Kloster wurde in ein adliges evangelisches Damenstift umgewandelt - der Adel wollte unverheiratete Töchter und Witwen versorgt sehen. Statt der Priorin, die - dem Propst untergeordnet - den Nonnen vorstand, wurde eine Äbtissin als Oberhaupt eingesetzt.

1565 war für die Obernkirchner die Leibeigenschaft zu Ende. Die Stiftskirche wurde – mit Ausnahme der Stiftsprieche und des westlichen Eingangs - evangelisch-lutherische Gemeindekirche.

1615 Fürst Ernst von Schaumburg-Holstein zweigte einen Teil des Propsteivermögens ab, um die Universität Rinteln zu finanzieren.

1647 Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges fiel das Stift an die Landgrafen von Hessen. Die gewählte Äbtissin wurde jetzt auch für die wirtschaftliche Verwaltung verantwortlich.

1786 Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel verlieh dem Stift einen eigenen Orden – den Stiftsorden. Seine Aufschrift: „In Deo et Virtute“ – übersetzt etwa „Mit Gott und in Tugend“.

1810 Das von Napoleon I. als Vasallenstaat geschaffene Königreich Westphalen setzte 1806 auf hessische Kosten neue Grenzen und schloss für einige Jahre Obernkirchen mit ein. Seinen Bruder Jerôme setzte Napoleon als König ein. Dieser löste das Stift 1810 auf, doch 1814 stellten es die hessischen Kurfürsten wieder her.

1866 Nachdem die preußische Armee die deutsche Landkarte bereinigt hatte, kam das Stift zusammen mit Kurhessen zum Königreich Preußen.

1901 Der Reifensteiner Verband (www.reifensteiner-verband.de/ Obernkirchen.pdf) gründete 1901 eine wirtschaftliche Frauenschule, später Landfrauenschule, in der Stiftsanlage. Bis 1971 nutzten die Maiden der Schule die meisten Gebäude einschließlich Gärten.

1932 Der hessische Kreis Grafschaft Schaumburg wurde an die preußische Provinz Hannover angeschlossen, mit ihm Obernkirchen und das Stift.

1946 Das neu geschaffene Land Niedersachsen umfasste Teile des aufgelösten Preußen; ein niedersächsischer Landeskommissar, zugleich Präsident der Klosterkammer Hannover, übernahm die staatliche Aufsicht über das Stift. Die Klosterkammer ist eine Landesbehörde im Geschäftsbereich des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Sie wurde 1818 gegründet und verwaltet mehrere aus der Reformation hervorgegangene öffentlich-rechtliche Stiftungen.

1962 An Stelle eines Stiftsamtmanns als satzungsgemäßem Oberhaupt übernahm die Äbtissin neben der geistlichen Leitung auch die rechtliche Vertretung des Stiftes. Stiftsdamen mussten nicht mehr adlig sein.